AUGENHEILKUNDE 214/1999HEFT 6

Abstracts:


S. 357-361 (Art. 497)

Ergophthalmologie in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft
Hanns-Jürgen Merté

Text nicht vorhanden

[ zurück ]


S. 362-366 (Art. 465)

Klinisch pharmakologische Studien zur Behandlung der PVR: eine Übersicht
Frank Faude, Klaus Heimann, Peter Wiedemann

Zusammenfassung

Zusammenfassung Es werden die bisher beim Menschen eingesetzten Medikamente bei der Behandlung der proliferativen Vitreoretinopathie bezüglich ihrer theoretischen und experimentellen Wirkungsweisen dargestellt und die klinischen Ergebnisse diskutiert. Es handelt sich um folgende Medikamente: Colchizin, Daunomycin, Fluorouracil, Heparin, Kortikosteroide und Retinoide.

Beim Menschen konnte bisher nur für Daunomycin eine signifikante Wirkung in bezug auf die Anzahl der Reoperationen in einer randomisierten prospektiven multizentrischen Studie gezeigt werden. Die Literatursuche erfolgte mit Medline.

Schlüsselwörter PVR - Colchizin - Daunomycin - Fluorouracil - Heparin - Steroide - Retinoide

[ zurück ]


S. 367-371 (Art. 529)

Keratoplastik und Spenderalter
Hans-Jürgen Meyer, Stefan Labjuhn

Zusammenfassung

Hintergrund In der Vergangenheit wurden vor allem Hornhäute von jungen Spendern favorisiert. Es liegen deshalb kaum Erfahrungsberichte mit alten Spenderhornhäuten vor. Wir haben unsere Spender seit 26 Jahren nicht streng nach dem Alter selektiert. Deshalb wurden bei uns sehr viele alte Hornhäute transplantiert. In dieser Arbeit sollen Langzeitergebnisse unserer Keratoplastiken dargestellt und daran erneut die unbeantwortete Frage untersucht werden, ob es eine Korrelation zwischen Mißerfolg und Spenderalter gibt.

Patienten und Methoden Retrospektiv ausgewertet wurden 615 perforierende Keratoplastiken der Jahre 1986 bis 1991. Die Nachbeobachtungszeit betrug im Mittel 37,3 Monate. Zwei Drittel unserer Patienten gehörten der günstigen Empfängergruppe an (Keratokonus 30,6%, Fuchs-Dystrophie 17,6%, bullöse Keratopathie bei Pseudophakie 14,1% und Keratitis scrophulosa 5,5%).

Ergebnisse Das Alter der Hornhautspender lag zwischen 31 und 98 Jahren mit einem Mittelwert von 71,2 Jahren (SD 11,8). Von 615 Transplantaten trübten sich 61. Das mittlere Alter der klaren Transplantate betrug 71,0 gegenüber 72,7 Jahren bei den eingetrübten Scheibchen. Dieser Unterschied war nicht signifikant. Nach Ausschluß bestimmter Risikogruppen blieben 401 Patienten. Auch in diesem Kollektiv fanden wir keinen signifikanten Unterschied zwischen dem Spenderalter klarer bzw. trüber Transplantate. Schließlich wurden bei 226 Endothelerkrankungen (Fuchs-Dystrophie, bullöse Keratopathie) dauerhafte Transparenz des Transplantats und Spenderalter verglichen. Bei 33 (14,6%) Patienten war das Transplantat trüb. Auch in dieser Gegenüberstellung ließ sich kein signifikanter Einfluß des Spenderalters auf das Überleben der Transplantate feststellen.

Schlußfolgerung Trotz knapper Ressourcen und langer Wartelisten an vielen Kliniken wurden in der Vergangenheit viele Hornhäute wegen hohen Spenderalters verworfen. Unsere Ergebnisse sollten Augenbanken und Hornhautchirurgen ermutigen, auch sehr alte Spenderhornhäute zu akzeptieren. Dies gilt um so mehr, da die Spekularmikroskopie heute zusätzliche Möglichkeiten der Qualitätskontrolle erlaubt [29].

Schlüsselwörter Perforierende Keratoplastik - Erfolg und Spenderalter - sehr alte Hornhautspender - Vergleich verschiedener Empfängergruppen

[ zurück ]


S. 372-377 (Art. 489)

Topographiegestützte Berechnung der Keratokonus-Dimensionen
Achim Langenbucher, Gabriele C. Gusek-Schneider, Murat M. Kus, Berthold Seitz

Zusammenfassung

Hintergrund Keratokonus ist eine Erkrankung, die sich in der Regel in der 2. und 3. Lebensdekade schleichend entwickelt und die Abbildungsqualität des optischen Apparates Auge bereits im Frühstadium degradiert, wenn klinische Symptome noch schwach ausgeprägt sind. Ziel der Studie war es, als Unterstützung der klinischen Diagnostik ein Verfahren zu entwickeln, mit dem auf der Basis topographischer Höhendaten die Vorwölbung der Hornhaut quantifiziert werden kann.

Patienten und Methoden 88 Patienten (46 beginnender Keratokonus, 42 fortgeschrittenes Stadium) sowie eine Kontrollgruppe bestehend aus 40 Normalprobanden wurden in die Studie einbezogen. Aus den topographischen Brechungsdaten eines kommerziell erhältlichen Topographiesystems (TMS-1) wurden durch eine lokale Approximation Höhendaten berechnet. Anhand dieser Höhendaten wurde eine Zerlegung in orthogonale Zernike-Polynome vorgenommen und eine asphärozylindrische Oberfläche modelliert. Ausgehend von dieser Oberfläche wurde durch Differenzbildung von tatsächlichen Höhendaten und Modelloberfläche die Basis, Höhe und das Volumen sowie die Lokalisation der Vorwölbung berechnet.

Ergebnisse Während sich die Höhe der Vorwölbung (23 auf 71 µm), das Volumen (0,066 auf 0,141 mm3) unter der Kegelspitze und die horizontale Ausdehnung (0,67 auf 1,32 mm) im fortgeschrittenen Stadium des Keratokonus hochsignifikant erhöhen, ändert sich die vertikale Ausdehnung geringer (0,64 auf 0,93 mm). Im fortgeschrittenen Stadium liegt die Kegelspitze aufgrund einer Verschiebung nach unten (0,44 auf 1,33 mm) deutlich peripherer als beim beginnenden Keratokonus.

Schlußfolgerung Neben einer qualitativen klinischen Beurteilung eignen sich topographische Höhendaten gut für eine systemunabhängige Quantifizierung der Protrusion bei Keratokonus. Die Kenntnis über die Lage und Ausdehnung der Vorwölbung kann im Verlauf die Einschätzung der Progredienz verbessern und so die klinische Indikationsstellung und Plazierung für eine perforierende Keratoplastik unterstützen.

Schlüsselwörter Keratokonus - Hornhauttopographie - Dimensionen - Lokalisation

[ zurück ]


S. 378-385 (Art. 482)

Scanning-Laser-Topometrie und Polarimetrie vor und nach Katarakt-Operationen mit Implantation von Intraokularlinsen
Stephan Kremmer, Andrea Pflug, Arnd Heiligenhaus, Farsad Fanihagh, Klaus-Peter Steuhl

Zusammenfassung

Hintergrund In den letzten Jahren haben Scanning-Laser-Untersuchungen für die Glaukomdiagnostik zunehmend an Bedeutung gewonnen. Von besonderem Interesse sind dabei die Scanning-Laser-Topometrie (SLT) zur möglichst genauen Vermessung der Papille und ihrer Exkavation sowie die Scanning-Laser-Polarimetrie (SLP) zur Erfassung der retinalen Nervenfaserschichtdicke. Da Glaukompatienten häufig auch an einer Katarakt leiden und eine Goniotrepanation das Fortschreiten von Linsentrübungen zusätzlich begünstigen kann, wird im Verlauf der Glaukomerkrankung häufig auch eine Kataraktoperation erforderlich. Aus diesem Grund untersuchten wir, ob die Kunststoffpolymere von Intraokularlinsen, die im Rahmen einer Kataraktoperation implantiert werden, Auswirkungen auf die Ergebnisse der Scanning-Laser-Topometrie und Polarimetrie haben.

Patienten und Methoden Untersucht wurden 56 Augen gesunder Patienten vor und 3 bis 4 Wochen nach Kataraktoperation in Phakotechnik mit Hinterkammerlinsen-Implantation (31 Patienten mit PMMA-Linsen, Pharmacia, Modell 811 B sowie 25 Patienten mit HEMA/MMA-Linsen, Technomed, Memory Lens). Die Linsentrübungen wurden gemäß LOCS III klassifiziert. Für die SLT verwendeten wir ein TopSS und für die SLP einen Nerve Fiber Analyzer II und ein GDx (LDT, USA).

Ergebnisse Unsere Ergebnisse zeigen, daß SLT und SLP meist bis zu einer Visusminderung durch Katarakt auf 0,16 durchführbar sind. Bei der SLT fanden wir weitgehend keine eindeutigen Unterschiede der Meßparameter nach Katarakt-Extraktion mit IOL-Implantation, allerdings waren die Standardabweichungen bei 3 wiederholten Einzelmessungen nach Operation meist geringer. In der SLP waren die Verteilungsmuster der Nervenfasern vor und nach Katarakt-Op sehr ähnlich, wobei das absolute Zahlenniveau der Nervenfaserschichtdickenwerte post-Op etwas höher lag.

Schlußfolgerungen Unsere Ergebnisse weisen darauf hin, daß SLT und SLP durch eine Kataraktoperation mit Implantation einer Kunstlinse relativ gering beeinflußt werden. Dies scheint insbesondere für Verlaufsbeobachtungen von Glaukompatienten von klinischer Bedeutung.

Schlüsselwörter Linsentrübungen - Kataraktoperation - Glaukomdiagnostik - Scanning-Laser-Topometrie - Scanning-Laser-Polarimetrie

[ zurück ]


S. 386-390 (Art. 479)

Postoperative ultraschallbiomikroskopische Bestimmung der Haptiklage von Irisblendenlinsen bei kongenitaler und traumatischer Aniridie im Vergleich zu Gonioskopie
Nils Schweykart, Thomas Reinhard, Sascha Engelhardt, Rainer Sundmacher

Zusammenfassung

Ziel Die Ultraschallbiomikroskopie (UBM) erlaubt es, die Haptik einer Intraokularlinse darzustellen und in einen räumlichen Bezug zu Nachbarstrukturen zu setzen. Bei transskleral eingenähten Hinterkammerlinsen ergab der Vergleich intraoperativ endoskopisch und postoperativ mittels UBM ermittelter Haptiklagen eine Übereinstimmung von 81%. Nachdenklich stimmen Diskrepanzen in 19% der untersuchten Haptiken, die mit postoperativer Verlagerung erklärt wurden, ohne daß diese Annahme bisher bewiesen werden konnte. Ziel dieser Studie war es deshalb, bei Aniridie nach Implantation von Irisblendenlinsen, die UBM-Ergebnisse mit zeitgleich gonioskopisch ermittelten Haptiklagen zu korrelieren.

Patienten und Methoden Im Zeitraum vom Juni 1997 bis Dezember 1997 wurden 28 Patienten (33 Augen) mit Aniridie und Zustand nach Implantation einer Irisblenden-Intraokularlinse im Hinblick auf die Haptiklagen der implantierten Irisblendenlinsen mittels UBM (50-MHz-Sonde) und Gonioskopie durchschnittlich 44,4 (6-75) Monate postoperativ nachuntersucht. Von den 33 untersuchten Augen wiesen 20 Augen (60,6%) eine kongenitale Aniridie auf, 13 Augen (39,4%) hatten eine traumatische Aniridie erlitten. Das Durchschnittsalter der Patienten betrug 38,1 (19-74) Jahre.

Ergebnisse 39 von 66 Haptiken konnten sowohl mittels UBM als auch gonioskopisch in bezug zu intraokulären Strukturen gebracht werden. 38 Haptiken (97,4%) zeigten dieselbe Position in beiden Untersuchungstechniken. Die Lagebestimmung der Haptik mißlang durch jeweils eine der beiden Untersuchungsmethoden bei 27 von 66 Haptiken (11 Haptiken in der Gonioskopie, 16 Haptiken in der UBM). Gründe hierfür waren bei der Gonioskopie vor allem die Haptik verdeckende Irisrudimente sowie Hornhauttrübungen, bei der UBM hingegen in erster Linie Vernarbungen im Bereich des Ziliarkörpers.

Schlußfolgerungen Die Validität der Ultraschallbiomikroskopie in der Lokalisation von Hinterkammerlinsen-Haptiken konnte gonioskopisch untermauert werden, womit auch hinreichend bewiesen sein dürfte, daß es nach IOL-Einnähung tatsächlich postoperativ noch in einem höheren Prozentsatz zu Bügelverlagerungen kommt. An ihre Grenzen stößt die Ultraschallbiomikroskopie insbesondere bei ausgeprägten Vernarbungen des Ziliarkörpers.

Schlüsselwörter Aniridie - Hinterkammerlinse - Ultraschallbiomikroskopie - Gonioskopie

[ zurück ]


S. 391-394 (Art. 527)

Rehabilitation mit knochenverankerten Orbitaepithesen
Martin Klein

Zusammenfassung

Hintergrund Orbitadefekte mit Verlust der Lidstrukturen lassen sich plastisch operativ kaum kosmetisch befriedigend versorgen. Hier kann mit gutem kosmetischen Ergebnis die Orbitaepithese eingesetzt werden.

Patienten und Methoden 105 Patienten mit Orbitadefekten wurden seit 1991 mit einer knochenverankerten Epithese versorgt. Präoperativ wurde das Knochenangebot durch eine Computertomographie bestimmt. Die Implantation von Brånemark-Titanimplantaten (Fa. Nobel Biocare) erfolgte zweizeitig. Nach mindestens drei Monaten subkutaner Einheilzeit legten wir die Implantate frei und montierten die Suprakonstruktion auf. Danach wurde vom Anaplastologen die Epithese hergestellt, die entweder als "weiche" Epithese in Silikon oder als "harte" Epithese in Polymethylmetacrylat (PMMA) ausgeführt wurde. Spätestens alle drei Monate kamen die Patienten zur Nachuntersuchung.

Ergebnisse Bei allen Patienten war ausreichender Knochen für eine Verankerung vorhanden. Für die Implantation eigneten sich vorwiegend die lateralen Anteile des knöchernen Orbitarandes. Intraoperative Komplikationen bei der Implantatsetzung gab es nicht. Bei 96 Patienten entschieden wir uns für eine "weiche" Silikonepithese; nur bei 9 Patienten fertigten wir eine Epithese aus hartem PMMA-Kunststoff an. Bei 10,5% der Implantate mußte wegen rezidivierender Periimplantitis eine Gewebeausdünnung in Lokalanästhesie durchgeführt werden. 95,8% der Implantate waren 3 Jahre nach Insertion noch fest im Knochen verankert.

Schlußfolgerungen Die epithetische Versorgung von Orbitadefekten mit der knochenverankerten Epithese ist in der Hand des Spezialisten ein kosmetisch gutes und langzeitstabiles Verfahren. Während durch moderne Kunststoffmaterialien die fehlenden Gesichtsstrukturen täuschend echt wiederhergestellt werden können, garantieren die Implantate einen festen und sicheren Sitz der Epithese.

Schlüsselwörter Exenteratio orbitae - Epithese - kraniofaziales Implantat

[ zurück ]


S. 395-400 (Art. 538)

Anwendung einer neuen Methode zur objektiven Schätzung der Mindestsehschärfe
Michael Gräf, Herbert Kaufmann

Zusammenfassung

Hintergrund Kürzlich wurde eine neue Methode zur objektiven Schätzung der Mindestsehschärfe durch Suppression des optokinetischen Nystagmus vorgestellt (Klin Monatsbl Augenheilkd 1998; 212 : 196-202). In dieser Arbeit soll der klinische Stellenwert dieser Methode untersucht werden.

Methode Bei 120 Personen, die entweder zu gutachterlichen Untersuchungen oder zur Diagnostik bei unklaren Sehstörungen in die AKSN Gießen überwiesen wurden, erfolgte eine objektive Schätzung der Mindestsehschärfe (OSM) mit Hilfe der oben genannten Methode, die auf der Unterbrechung des optokinetischen Nystagmus durch statische Fixationsreize beruht. Das Ergebnis dieser Untersuchung wurde mit dem Resultat der klinischen Untersuchungen verglichen, nach denen die Glaubwürdigkeit der subjektiven Angaben beurteilt wurde (Anamnese, Biomikroskopie der vorderen Augenabschnitte und des Augenhintergrundes, objektive Refraktometrie, Analyse von Pupillomotorik, Augenstellung, Motilität und Binokularstatus, Farbsinnprüfung, Applanationstonometrie, elektrophysiologische, fluoreszenzangiographische, neurologische, radiologische, psychiatrische Befunde, Reproduzierbarkeit der Visus- und Gesichtsfeldangaben unter verschiedenen Untersuchungsbedingungen, Vergleich zwischen subjektiver und objektiver Gesichtsfeldprüfung, statistischer Nachweis subjektiver Falschangaben bei Visus- und/oder Gesichtsfeldprüfung).

Ergebnisse Aufgrund der klinischen Untersuchungen erschienen die Visusangaben von 62 Personen glaubhaft. Die OSM deutete nur bei einer Person auf einen (1dB) höheren Visus hin. Die Visusangaben von 7 Personen waren anhand der klinischen Befunde nicht einzuordnen, da eine psychogene Überlagerung weder nachzuweisen noch auszuschließen war. Die OSM ließ bei 3 dieser Personen einen höheren Visus vermuten. Bei 51 Personen war das angegebene Sehvermögen aufgrund der klinischen Befunde nicht glaubhaft. Durch die OSM ergab sich bei 38 dieser Personen der Verdacht auf einen höheren Visus, oder es konnten Falschangaben bewiesen werden.

Schlußfolgerung Durch die computergestützte, nystagmographische Methode der OSM wurden 75% der Personen, deren Angaben unglaubhaft waren, identifiziert. Die Methode erlaubt über eine Schätzung des tatsächlich vorhandenen Mindestvisus hinaus den Nachweis falscher Angaben der vorhandenen Kontrastwahrnehmung.

Schlüsselwörter objektive Sehschärfenbestimmung - Nystagmographie - psychogene Sehstörung - Sehschärfe - Simulation

[ zurück ]


S. 401-406 (Art. 492)

Einfluß der Leuchtdichte auf Kontrast- und Blendungsempfindlichkeit im mesopischen Bereich
Bernhard Rassow

Zusammenfassung

Grundlagen Relativ viele Personen - besonders aber ältere - erfüllen die in den Empfehlungen der DOG zu Führerscheinbegutachtung genannten Anforderungen bezüglich Dämmerungssehen und Blendungsempfindlichkeit nicht. Eine Ursache hierfür ist das niedrige Beleuchtungsniveau, auf dem diese Untersuchungen durchgeführt werden.

Material und Methode An einem Nyktometer der Firma Rodenstock wurde die Leuchtdichte des Prüffeldes und der Testzeichen um den Faktor 3 und die der Blendquelle um den Faktor 2,2 erhöht und damit die Prüfung des Dämmerungssehens und der Blendungsempfindlichkeit an drei Probandengruppen in den Jahrgangsstufen 20-49 Jahre, 50-59 Jahre und über 60 Jahre durchgeführt. Die Meßergebnisse wurden mit den Werten verglichen, die an einem Nyktometer mit unveränderten Helligkeiten gewonnen wurden.

Ergebnisse Es zeigte sich, daß die älteren Probanden fast alle am heute üblichen Gerät die erforderlichen Sehleistungen nicht erbringen. Auf dem höheren Leuchtdichteniveau kann diese Gruppe jedoch unterteilt werden in diejenigen, die den Test jetzt bestehen, und die, die auch auf höherem Leuchtdichteniveau die notwendige Kontrastempfindlichkeit nicht besitzen. Es wurde weiterhin die Reproduzierbarkeit dieser Messungen überprüft. Es stellte sich heraus, daß bei einem Kollektiv von fünf Personen, die mehrfach gemessen wurden, im Mittel die Meßunsicherheit B1 Kontraststufe beträgt. Schließlich ergab die Untersuchung der Frage, ob 15 Minuten Adaptationszeit gegenüber 5 Minuten zu einer besseren Sehleistung führen und ob die Dunkeladaptation auch mit einer Dunkelrotbrille durchgeführt werden kann, in erster Näherung keine Unterschiede in den Ergebnissen. Jedoch ist bei einzelnen Personen nach 15 Minuten Dunkeladaptation in einem stark abgedunkelten Raum die Sehleistung etwas besser, als wenn nur 5 Minuten adaptiert wurde.

Schlußfolgerung Da das Beleuchtungsniveau im nächtlichen Straßenverkehr heute deutlich höher ist als zu der Zeit, in der die DOG-Empfehlungen erarbeitet wurden, sollte geprüft werden, ob die Prüfbedingungen nicht der neuen Situation angepaßt werden müssen. Die Zahl der Probanden, die die Prüfung nicht bestehen, würde sich dadurch deutlich reduzieren.

Schlüsselwörter Dämmerungssehen - Blendempfindlichkeit - mesopisches Sehen

[ zurück ]


S. 407-411 (Art. 535)

Wissensbasierte Bildanalyse des Endothels von Hornhauttransplantaten
Thomas Reinhard, Helga Spelsberg, Dirk Holzwarth, Norbert Dahmen, Erhard Godehardt, Rainer Sundmacher

Zusammenfassung

Hintergrund Die Evaluation des Transplantatendothels in Organkultur umfaßt die Beurteilung von Zellgröße, Zellform und Zelldichte unter dem Phasenkontrastmikroskop nach Schwellung der Zellgrenzen in hypotoner Lösung. Standard der Endothelzelldichtebestimmung ist derzeit die manuelle Auswertung von Polaroid-Fotos mit Hilfe eines festen Auswertungsrahmens bekannter Größe unter Berücksichtigung des Vergrößerungsfaktors und der innerhalb des Rahmens gezählten Zellen. Es war das Ziel dieser Arbeit, ein vereinfachtes und zuverlässiges Auswertungsverfahren der Endothelzelldichte von in Organkultur konservierten Hornhauttransplantaten zu entwickeln und mit dem bisherigen Standardverfahren der manuellen Auswertung zu vergleichen.

Material und Methoden Nach Schwellung der Zellgrenzen in hypotoner Lösung werden Endothelbilder durch eine auf das Phasenkontrastmikroskop aufgesetzte digitale Kamera in ein Computersystem übertragen und durch Filterungstechniken zu binären Bildern verarbeitet. Ein auf Fuzzy-Logik basierendes Programm differenziert Einfach- und Mehrfachobjekte, also letztlich lebende und nekrotische Zellen. Dieses wissensbasierte Bildanalysesystem bestimmt die Endothelzelldichte automatisch und erlaubt dem Untersucher, Korrekturen bei Fehlinterpretationen vorzunehmen. Dieses Verfahren wurde an 20 Korneatransplantaten von zwei erfahrenen Untersuchern getestet. Die erhobenen Daten wurden mit dem bisherigen Standard der manuellen Auswertung verglichen.

Ergebnisse Die intra- und interindividuelle Varibilität der erhobenen Endothelzelldichten war bei Verwendung des automatisierten Systems unter Berücksichtigung der Möglichkeit zur Nachkorrektur statistisch signifikant geringer als bei der manuellen Auswertung. Außerdem ließ sich der Zeitaufwand für Auswertung und Dokumentation insgesamt reduzieren.

Schlußfolgerungen Die Endothelzelldichte von in Organkultur konservierten Hornhauttransplantaten konnte mit diesem neuen automatisierten Auswertungssystem bei verringertem Zeitaufwand zuverlässig und reproduzierbar bestimmt werden. Zukünftig soll die Notwendigkeit zu manuellen Nachkorrekturen vermindert und die Genauigkeit des Systems und damit die Qualitätskontrolle der Spenderhornhäute durch die Verwendung multipler Auswertungsrahmen weiter verbessert werden.

Schlüsselwörter Digitale Bildverarbeitung - Endothelzelldichte - Fuzzy-Logik - Hornhautendothel - Organkultur

[ zurück ]


S. 412-414 (Art. 462 DF)

Kristalline Keratopathie als Erstsymptom eines Plasmozytoms
Jeannette Gabel, Berthold Seitz, Arnold Hantsch, Gottfried O. H. Naumann

Zusammenfassung

Hintergrund Nichtinfektiöse kristalline Keratopathien werden nach klinischem und genetischem Standpunkt in 3 Gruppen eingeteilt: 1. primäre hereditäre kristalline Keratopathien (Schnyder), 2. sekundäre hereditäre (Zystinose) und 3. sekundäre nicht-hereditäre mit Kristalleinlagen bei Lipidstoffwechselstörungen und Störung des Proteinstoffwechsels.

Patient Wir berichten über einen 63jährigen Patienten, der sich mit weißgrauen, kristallinen, rundlichen monomorphen Strukturen im Hornhautstroma vorstellte. Die auf Veranlassung der Ophthalmologen durchgeführte internistische Durchuntersuchung erbrachte die Diagnose eines IgG-Plasmozytoms.
Ergebnisse Zur Behandlung der kornealen Visusminderung wurde nach einer intermittierenden Chemotherapie in der Phase der Remission eine perforierende Keratoplastik durchgeführt. Histologisch fanden sich in allen Hornhautschichten eosinophile, Masson-positive Ablagerungen. Elektronenmikroskopisch lagen diese überwiegend intrazellulär.

Schlußfolgerung Kristalline Keratopathien bedürfen, da sie Erstsymptom verschiedener Systemerkrankungen sein können, immer einer internistischen Abklärung.

Schlüsselwörter Kristalline Keratopathie - Plasmozytom - perforierende Keratoplastik

[ zurück ]


© 1998 OnJOph. Bei Problemen Mail an webmaster@onjoph.com