AUGENHEILKUNDE 213/1999HEFT 5

Abstracts:


S. 257-261 (Art. 414)

Mycophenolatmofetil (CellCept®) bei okulären immunologischen Störungen Literaturübersicht mit 3 Kasuistiken
Alexander Reis, Thomas Reinhard, Rainer Sundmacher, Christoph Althaus, Adina Voiculescu, Bernd Kutkuhn

Zusammenfassung

Hintergrund Zur Behandlung autoimmunologischer Erkrankungen bzw. zur Prophylaxe von allogenen Immunreaktionen stehen bislang nur Substanzen zur Verfügung, die mit potentiell schweren Nebenwirkungen einhergehen. Klinische Studien nach Nieren- und Herztransplantationen haben gezeigt, daß das neue Immunsuppressivum Mycophenolatmofetil (MMF) bei eingeschränktem Nebenwirkungsspektrum wirksam Abstoßungsreaktionen verhindern kann. Ebenso konnte die Wirksamkeit von MMF bei autoimmunologischen Prozessen nachgewiesen werden. Eine Literaturübersicht wurde unter Berücksichtigung der Datenbank Medline® erstellt.

Kasuistiken Wir berichten über den Einsatz von MMF in einer Dosierung von jeweils 2!1 g/Tag bei einer Patientin mit okulärem vernarbendem Pemphigoid, bei einer Patientin nach Hochrisikokeratoplastik, die wegen Cyclosporin A (CSA)-Allergie auf MMF umgestellt werden mußte, sowie von der erfolgreichen Umstellung auf eine CSA/MMF-Kombinationstherapie, bei einem Patienten, bei dem eine CSA-Monotherapie Abstoßungsreaktionen nicht suffizient verhindern konnte.

Schlußfolgerungen In dem Nachbeobachtungszeitraum von durchschnittlich sieben Monaten zeigte sich MMF bei unseren Patienten als wirksames und sicheres Medikament zur Behandlung okulärer immunologischer Störungen. Ob diese positiven kasuistischen Erfahrungen sich verallgemeinern lassen, muß sich in umfassenderen Untersuchungen erweisen.

Schlüsselwörter Mycophenolatmofetil - okuläre autoimmunologische Erkrankungen - Hornhauttransplantation - Immunsuppression

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S. 262-270 (Art. 423)

Klinische und histologische Aspekte von 113 nekrotisierenden malignen Melanomen der Aderhaut
1. Klinische und histopathologische Besonderheiten nekrotisierender choroidaler Melanome

Alexander A Bialasiewicz, Jin-Xue MA, Ulrich Schandig, Dietrich von Domarus, Gisbert Richard

Zusammenfassung

Hintergrund Nekrosen in Tumoren können Hinweise auf eine Immunabwehr sein. Statistisch signifikante klinisch-histopathologische vergleichende Untersuchungen dieser Tumoren liegen bisher nicht ausreichend vor.

Patienten und Methoden 113 nekrotisierende Aderhautmelanome (NMM) wurden aus einem histopathologischen Material von 701 enukleierten Augen 1967-1988 100 Aderhautmelanomen ohne Nekrosen (MM) gegenübergestellt und nachuntersucht und Daten von 74 Patienten mit einem Verlauf von mehr als 10 Jahren erhoben.

Ergebnisse Statistisch signifikante Besonderheiten für NMM: Patientenalter < 60 Jahre NMM 27,4%, MM 46%, Patientenalter Männer durchschnittlich 64 Jahre (MM: 58), Frauen 67 Jahre (MM: 59); Intervall von Symptombeginn bis zur Enukleation betrug < 12 Monate 15,9% für NMM, 89% für MM; > 12 Monate 23,9% für NMM, 11% für MM; diffuses bzw. diskoides Wachstum lag bei NMM in 11,5% bzw. 6,0% und für MM bei 3% bzw. 12% vor. Gemischt- und epitheloidzelliges Wachstum war bei 54,9% der NMM und 49% MM, spindelzelliges für NMM in 36,3% und MM in 51% zu beobachten. Fortgeschrittenere Tumorstadien T3 und T4 lagen bei NMM in 45,1% bzw. 36,3% und bei MM in 37% bzw. 16% vor. Eine Sklerainvasion war bei 67,3% der NMM und 37% der MM, extrasklerale Disseminierung bei 43% der NMM und 16% der MM festzustellen. Sekundärglaukome traten bei 62,2% NMM und 6% MM, Durchbruch durch die Bruchsche Membran bei 61,0% der NMM und 46% der MM auf. Blutungen wurden im Tumor bei 68,14% der NMM und 24% der MM, extratumorale Blutungen bei 23,9% der NMM und 0% der MM gesehen. Entzündungsreaktionen in Tumoren lagen bei 96,7% der NMM mit > 30% Nekroseanteil (MM: 5%) und außerhalb der Tumoren bei 94,5% der NMM und 0% der MM vor. Intraokulare extratumorale Nekrosen waren bei 23,9% der NMM (MM: 0%) zu sehen. Keine signifikanten Unterschiede boten der Pigmentierungsgrad der zu 90,3% bzw. 94% pigmentierten NMM resp. MM oder die Lokalisation, die zu 87,6% bei NMM und 95% der MM hinter dem Äquator lag. Die Überlebenszeit der Patienten mit NMM betrug im Durchschnitt 5 Jahre 9 Monate (5-Jahres Mortalität 41,9%), und insgesamt 74,3% waren an Metastasen verstorben.

Schlußfolgerungen Es gibt signifikante klinische und histopathologische Unterschiede zwischen nekrotisierenden und nicht-nekrotisierenden Aderhautmelanomen. Die entzündliche Infiltration der nekrotisierenden Melanome muß insbesondere in Bezug auf Tumor-infiltrierende Lymphozyten näher charakterisiert werden.

Schlüsselwörter maligne Melanome - Aderhaut - Entzündung - Überlebensrate - Risikofaktoren - Sekundärglaukome - intraokulare Blutungen

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S. 271-277 (Art. 424)

Klinische und histologische Aspekte von 113 nekrotisierenden malignen Melanomen der Aderhaut
2. Immungenetische Charakterisierung T-Zell-Rezeptor-positiver Tumor-infiltrierender Lymphozyten und Überlebensrate von Patienten mit nekrotisierenden Melanomen der Aderhaut

Alexander A. Bialasiewicz, Jin-Xue Ma, Gisbert Richard

Zusammenfassung

Hintergrund T-Zell-Rezeptor-positiven (TZR+) Tumor-infiltrierenden Lymphozyten (TIL) wird eine zentrale Rolle bei der Immunreaktion gegen solide Tumoren zugeschrieben.

Patienten und Methoden Deswegen wurden 113 nekrotisierende maligne Melanome der Aderhaut (NMM) mit 100 nicht nekrotisierenden Melanomen (MM) histologisch und immunhistochemisch verglichen.

Ergebnisse NMM zeigten häufiger TIL (76,11% vs. 21%, p < 0,001). TIL nahmen mit größerem Tumordurchmesser und -prominenz (p < 0,05), Alter über 60 Jahre (p < 0,05) und Sklerainvasion (p < 0,025) signifikant zu. Va/Vb- (70,3% der NMM), Vg1- (39,2% der NMM) und Vd1- (52,7% der NMM) TZR+-TIL waren fokal oder diffus verteilt und korrelierten mit Tumorvolumen, -durchmesser und Sklerainvasion. 74,33% der Patienten mit NMM waren nach 240 Monaten verstorben (5-Jahres Überlebensrate: 58,1%). Die Mortalität war nicht signifikant mit dem Vorkommen von TIL in den Melanomen (p < 0,33) oder dem Vorkommen von Va/Vb-TZR+ TIL (p < 0,20) assoziiert. Der Nachweis einer Vg1- und Vd1-TZR+-Zellinfiltration hingegen war signifikant (p < 0,026) mit einer verlängerten Lebenserwartung korreliert.

Schlußfolgerungen Va/Vb-, Vg1- und Vd1-TZR+-Tumor infiltrierende Lymphozyten können in Aderhautmelanomen nachgewiesen werden. Dies ist eine Voraussetzung für funktionelle Studien, die die Grundlage für Überlegungen zur Immuntherapie sein können.

Schlüsselwörter Tumor-infiltrierende Lymphozyten - Entzündung - Melanom - Überleben

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S. 278-283 (Art. 426)

Gefriermikroskopisch kontrollierte Exzision von Lid-Basaliomen und plastische Rekonstruktion in einer Sitzung - Indikationen und Methoden bei 106 Patienten
Leonard M Holbach, Anselm Jünemann, Samir Muhammad

Zusammenfassung

Ziel der Arbeit ist ein Bericht über unsere ersten Erfahrungen mit der gefriermikroskopisch kontrollierten Basaliomexzision und plastischen Rekonstruktion in einer operativen Sitzung.

Patienten und Methoden Genauigkeit der klinischen Diagnose, Operationsmethoden und -ergebnisse wurden retrospektiv bei 162 konsekutiv operierten Patienten zwischen 1.1.1991 und 30.6.1996 ausgewertet. Es wurde unterschieden zwischen gefriermikroskopisch kontrollierter Exzision (np106) und klinisch kontrollierter Exzision (np56). Gewebestreifen, die zur intraoperativen Gefrierschnittkontrolle gelangten, wurden postoperativ formalinfixiert und in Paraffin eingebettet. Die entsprechenden Paraffinschnitte dienten als postoperative Kontrolle der intraoperativen Gefrierschnittergebnisse (np43). Die angewandten plastisch-rekonstruktiven Methoden werden dargestellt.

Ergebnisse Die Genauigkeit der präoperativen klinischen Diagnose betrug 86% (np189). Nach gefriermikroskopisch kontrollierter Exzision (np106) betrugen die Lidranddefekte durchschnittlich 55% (10%-100% Lidrandbeteiligung), der Anteil von Morphea-Basaliomen 34%, die Häufigkeit intraoperativer Nachexzisionen bei nicht-tumorzellfreien Schnitträndern 31%, die Rezidivfreiheit 100% bei einer durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von 2,9 Jahren. Die Untersuchung der postoperativen Paraffinschnitte von den Gewebestreifen, die zur intraoperativen Gefrierschnittkontrolle herangezogen waren, bestätigte bei 97,5% der Patienten (np43) die vorläufigen Ergebnisse der Gefrierschnittbefunde. Nach operationsmikroskopisch kontrollierter Exzision (np56) betrugen die Lidranddefekte durchschnittlich 42% (16% bis 100% Lidrandbeteiligung), der Anteil von Morphea-Basaliomen 23% und die Rezidivfreiheit 95% bei einer Nachbeobachtungszeit von durchschnittlich 4,4 Jahren.

Schlußfolgerung Gefriermikroskopisch kontrollierte Exzision und plastische Defektrekonstruktion in einer Sitzung können eine zuverlässige und effektive Option darstellen in der Behandlung von Patienten mit ausgewählten periokulären Basaliomen.

Schlüsselwörter Basaliome - intraoperative Gefrierschnittkontrolle - plastische Rekonstruktion in derselben Sitzung

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S. 284-292 (Art. 429)

Glaskörper-Clearance von liposomeninkorporiertem Ciprofloxacin nach intravitrealer Injektion
Burkhard Wiechens, Rea Krausse, Joachim B Grammer, Doris Neumann, Uwe Pleyer, Gernot IW Duncker

Zusammenfassung

Hintergrund Ciprofloxacin (CIP) ist ein Gyrasehemmer mit einer hohen antimikrobiellen Aktivität gegen die am weitesten verbreiteten Erreger der bakteriellen Endophthalmitis. Nach experimenteller intravitrealer Injektion von CIP beträgt die Eliminationshalbwertzeit jedoch nur 2,2 Stunden. Um die Dauer des intravitrealen Wirkspiegels zu verlängern, sollte in dieser Studie CIP in Liposomen inkorporiert und anschließend deren Glaskörper-Clearance nach intravitrealer Injektion bestimmt werden.

Material und Methoden CIP wurde mittels mechanischer Dispersion in multilamellare Liposomen inkorporiert. 0,1 ml dieser Suspension (entspr. 273,6 µg CIP) wurde danach in die Mitte des Glaskörpers von pigmentierten Kaninchenaugen (Chinchilla-Bastarde) injiziert. In je 4 Augen wurde 1 Tag, 3 und 14 Tage nach der Injektion die intravitreale Konzentration des Antibiotikums - nach Auflösen der Liposomen durch Ultraschall - mittels Hochdruckflüssigkeits-Chromatographie bestimmt. Zum gleichen Zeitpunkt wurde auch die Serumkonzentration des Wirkstoffes ermittelt.

Ergebnisse Innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Injektion kam es zu einem Abfall der Glaskörperkonzentration auf 18,0 µg/ml. Drei Tage nach der Injektion betrug die Konzentration noch 6,9 µg/ml. Diese lag damit immer noch über der minimalen Hemmkonzentration (MHK90) der wichtigsten Endophthalmitis-Erreger. Nach 2 Wochen war der Wirkstoff im Glaskörper nicht mehr nachweisbar. Im Serum betrug die Konzentration an CIP 24 Std. nach der Injektion 0,04-0,07 µg/ml. 3 bzw. 14 Tage nach der Injektion lag diese unter der Nachweisgrenze.

Schlußfolgerungen Eine Liposomeninkorporation von CIP ist in ausreichender Dosis möglich. Im Vergleich zum nicht-inkorporierten Antibiotikum läßt sich mit dieser Applikationsform die Bioverfügbarkeit von CIP deutlich verbessern. Ausreichende Wirkspiegel können so über 3 Tage im Glaskörper aufrecht erhalten werden. Hierdurch könnten in der Behandlung der bakteriellen Endophthalmitis unangenehme intravitreale Nachinjektionen vermieden werden.

Schlüsselwörter Ciprofloxacin - Gyrasehemmer - intravitreale Injektion - Glaskörper-Clearance - Antibiotikum - Liposomen-Inkorporation - Endophthalmitis

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S. 293-300 (Art. 410)

Schnittkanten nach lamellärer Keratotomie mit verschiedenen Mikrokeratomen
Frank Wilhelm, Thomas Gießmann, Renate Hanschke, Gernot Duncker

Zusammenfassung

Hintergrund Bei der automatischen lamellierenden Keratotomie werden Mikrokeratome verwandt, die sich hinsichtlich ihrer technischen Angaben unterscheiden. Anliegen der Studie war es festzustellen, ob die Schittkanten nach dem Einsatz der verschiedenen Geräte typische Merkmale zeigen, deren Auftreten möglicherweise mit bestimmten Parametern korreliert.

Material und Methoden Wir testeten alle sieben derzeit auf dem deutschen Markt bekannten Mikrokeratome an jeweils acht enukleierten Schweineaugen und untersuchten die Hornhäute mit dem Rasterelektronenmikroskop. Dabei wurden die Schnittkanten nach Schärfe und Glätte bewertet.

Ergebnisse Eine glatte Schnittkante dominierte bei Präparaten, die vom MKM-System, dem Universal Keratome und dem BK-Microkeratome-Set geschnitten wurden. Demgegenüber erzeugten der Automatic Corneal Shaper, das Microtech-Mikrokeratom, das Rotor-Keratom und das Schwind-Mikrokeratom eine überwiegend gezähnelte Schnittkante.

Schlußfolgerungen Das Verhältnis von Vortrieb und Schnittfrequenz bestimmt nach unseren Erkenntnissen vermutlich maßgeblich die Qualität der Schnittkanten. Dabei wird durch einen geringen Messervorschub pro Schnittbewegung (Oszillation/Rotation) das Auftreten glatter Strukturen begünstigt.

Schlüsselwörter Refraktive Chirurgie - automatische lamelläre Keratotomie - Mikrokeratome - Rasterelektronenmikroskopie

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S. 301-305 (Art. 422)

Ein computergestütztes Navigationssystem als neues Operationsverfahren zur Orbitarekonstruktion
Rüdiger Marmulla, Herbert Niederdellmann, Birgit Lorenz, Ralf Dammer, Christoph Niederdellmann

Zusammenfassung

Hintergrund Nach komplexen Mittelgesichtsverletzungen kann es infolge eines Verlustes periorbitalen Fettgewebes, etwa durch Inkarzeration und/oder aufgrund einer Vergrößerung des Orbitavolumens zu einem posttraumatischen Enophthalmus oder Bulbustiefstand mit Diplopie kommen. Bei ausgedehnt in Fehlstellung verheilten Frakturen mehrerer Orbitawände sollte eine Repositionierung dieser knöchernen Strukturen vorgenommen werden. Computertomographien, Stereolithographiemodelle und Fernröntgenaufnahmen dienen als präoperative Planungsgrundlagen. Da es bisher jedoch an einem geeigneten Meßsystem zur Übertragung einer Operationsplanung auf den Operationssitus fehlte, konnten präoperative Planungen nicht exakt auf den Patienten übertragen werden (1). Der Surgical Segment Navigator SSN ist das erste hochpräzise computergestützte Navigationssystem, das diese Aufgabe erfüllt.

Material und Methoden Der SSN beruht - wie auch der Surgical Tool Navigator STN und der Surgical Microscope Navigator SMN von Carl Zeiss - auf Infrarottechnologie. Auf der Oberfläche von Knochensegmenten befestigte Infrarotsender, deren Position von einer Infrarotkamera gemessen wird, gewährleisten eine Übertragung präoperativer Planungsdaten auf den Operationssitus.

Ergebnisse Es können mit dem SSN erstmals osteotomierte Segmente hochpräzise in eine präoperativ geplante Position navigiert und osteosynthetisch fixiert werden. Der SSN ermöglicht zudem auch ein Monitoring großer knöcherner Segmente, die im Operationssitus teilweise dem Blick des Operateurs verborgen bleiben. Solch eine Situation besteht insbesondere bei der Rekonstruktion von Orbitawandungen über einen bikoronaren Schnitt, wenn Orbitadach, laterale Orbitawand und Orbitaboden involviert sind.

Schlußfolgerungen Die computergestützte Chirurgie mit dem SSN erlaubt eine hochpräzise Rekonstruktion der Orbita entsprechend eines präoperativen Planes.

Schlüsselwörter Orbitarekonstruktion - posttraumatischer Enophthalmus - Surgical Segment Navigator - computergestützte Chirurgie - Operationsplanung - Umstellungsosteotomie

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S. 306-308 (Art. 407)

Zyklophotokoagulation als effektive und sichere Methode zur Therapie des Sekundärglaukoms bei anteriorer, nekrotisierender Skleritis
Torsten Schlote, Jörg Mielke, Manfred Zierhut, Benedikt Jean, Hans-Jürgen Thiel

Zusammenfassung

Patientin Eine 60 Jahre alte Patientin stellte sich mit einer anterioren, nekrotisierenden Skleritis des rechten Auges mit Sekundärglaukom vor. Eine rezidivierende Uveitis anterior war der Entwicklung der Skleritis vorausgegangen. Der Visus betrug rechts 0,4 und links 0,8. Am rechten Auge bestand praktisch zirkulär eine deutliche Skleraverdünnung mit beginnender Staphylombildung. Eine Systemerkrankung lag nicht vor. Unter der immunsuppressiven Therapie mit Methotrexat konnte die Aktivität der Skleritis kontrolliert werden. Der intraokulare Druck blieb trotz Gabe systemischer Karboanhydrasehemmer deutlich erhöht (Druckwerte um 40 mm Hg).

Methodik Es wurde eine Diodenlaser-Zyklophotokoagulation (Oculight SLx 810 nm, Iris Medical Instruments Inc. California, USA) in Intubationsnarkose durchgeführt, wobei die Laserparameter für die Applikation reduziert wurden (Leistung 1,25 W, Applikationsdauer 1 Sekunde, 12 Applikationen). Komplikationen traten intra- und postoperativ nicht auf. Der intraokulare Druck sank auf Werte zwischen 14 und 18 mm Hg. Es kam zu keinem Rezidiv der Skleritis oder Uveitis.

Schlußfolgerung Die Diodenlaser-Zyklophotokoagulation erwies sich bei Verwendung reduzierter Parameter für die Applikation als sicheres und effektives Verfahren zur Therapie des Sekundärglaukoms bei anteriorer, nekrotisierender Skleritis.

Schlüsselwörter Skleritis - Sekundärglaukom - Zyklophotokoagulation - Therapie

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S. 309-311 (Art. 408)

Axiale Linsenverschiebung als Differentialdiagnose bei Visusstörungen nach Kapselruptur
Andreas Frohn, Wolfgang Fink, Hans Jürgen Thiel

Zusammenfassung

Hintergrund Nach einer Katarakt-Operation mit Glaskörperverlust entstand ein Glaskörperstrang, der zum Wundspalt zog. Dieser führte zu einer ungewöhnlichen Sehstörung.

Patient Eine Refraktionsänderung in Abhängigkeit von der Pupillenweite konnte nachgewiesen werden: Die Refraktion wurde in Miosis zu c1 sph und in Mydriasis zu P1,0 sph/ P0,5 cyl bestimmt.

Methode Unter der Annahme, daß der zwischen Iris und Linse eingeklemmte Glaskörperstrang eine axiale Linsenverschiebung evozierte, wurde er mittels Vitrektomie entfernt. Dadurch konnten die Refraktionsverschiebungen beseitigt werden. Mittels einer Ray Tracing Analyse wurde die vorgefundene Situation simuliert und ermittelt, daß der Refraktionsänderung eine axiale Verschiebung von etwa 1,5 mm zugrunde lag.

Schlußfolgerung Dieser Kasus erinnert daran, bei unklaren Visusstörungen bei Glaskörperverlust außer dem Makulaödem auch andere Möglichkeiten in Betracht zu ziehen. Eine adäquate Untersuchungsmethode ist die Messung der Refraktion in Miosis und Mydriasis.

Schlüsselwörter Kapselruptur - Glaskörperstrang - Visusstörung - Ray Tracing - Makulaödem

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S. 312-313 (Art. 417 DF)

Fokale Muzinose des Lides
Jens Martin Rohrbach, Harald Preßler, Tzonka Djelebova, Stefan Schüller

Zusammenfassung

Hintergrund Die fokale Muzinose ist eine seltene Läsion der Haut, die am Lid unseres Wissens bisher noch nicht beschrieben wurde.

Patient Ein männlicher Patient türkischer Herkunft suchte 1995 die Klinik zur (kosmetischen) Behandlung eines angeblich seit der Geburt bestehenden, asymptomatischen Tumors am linken Oberlid auf. Es erfolgte zunächst eine Argonlaser-Photokoagulation. Bis zum Jahr 1998 kam es zu 2 Rezidiven, die chirurgisch exzidiert wurden. Histologisch zeigten die letzten Exzidate leere Räume in der oberen Dermis, die Bindegewebsfasern, benigne Fibroblasten und Entzündungszellen enthielten. Die Läsionen waren PAS- und S100-negativ und Alzianblau-positiv. Aufgrund der Morphologie wurde die Diagnose einer fokalen Muzinose gestellt.

Schlußfolgerungen Die im Lidbereich offenbar sehr seltene fokale Muzinose wird wahrscheinlich durch eine ursächlich ungeklärte, lokale Überproduktion von Hyaluronsäure hervorgerufen. Der Patient zeigt, daß die fokale Muzinose eventuell angeboren sein kann, und daß Rezidive bei (inkompletter) Exzision möglich sind. Die fokale Muzinose sollte in die Differentialdiagnose der lange bestehenden, asymptomatischen Lidtumoren einbezogen werden.

Schlüsselwörter Fokale Muzinose - Augenlid - Hyaluronsäure

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S. 315-319 (Art. 436)

Zur Prognose der Keratoplastik bei Keratitis scrophulosa peracta
Carsten Meyer, Hans-Jürgen Meyer

Zusammenfassung

Hintergrund Trotz klarer Transplantate sind die Ergebnisse der Keratoplastik bei Keratitis scrophulosa peracta oft enttäuschend. Wir suchten nach möglichen Gründen für Mißerfolge.

Patienten und Methoden An 204 Augen von 115 Patienten unserer Klinik analysierten wir die Faktoren, welche die Prognose beeinflussen. Dabei stützten wir uns auf Krankenblätter und angeforderte Befunde der nachbehandelnden Augenärzte. Die Patienten wurden nach verschiedenen Kriterien (OP-Methoden, Erkrankungsalter, Erst- bzw. Zweitoperation) eingeteilt.

Ergebnisse Eine häufig auftretende Katarakt- und die OP-Methode (Aphakie, zweizeitige oder einzeitige bzw. Triple-OP) sind ohne Einfluß auf die Prognose. Entscheidend ist dagegen das Erkrankungsalter, welches auch weitgehend den präoperativen Befund, d. h. die Dichte der Hornhautnarben bestimmt. Dies wird besonders deutlich bei den erstoperierten Augen. Patienten, die vor dem vollendeten fünften Lebensjahr erkrankten, erreichten postoperativ im Mittel nur ein Sehvermögen von 0,21, später erkrankte Augen dagegen einen Visus von 0,59. Alle zweitoperierten Augen hatten postoperativ einen durchschnittlichen Visus von 0,48. 40 Patienten mit Visusanstieg unter zwei Stufen waren in 50% hochmyop.

Schlußfolgerung Ursache für schlechte funktionelle Ergebnisse ist neben frühkindlicher Amblyopie eine Häufung durch Formdeprivation bedingter hochgradiger Myopien. Zur Abschätzung der Prognose wird präoperativ neben genauer Anamnese unbedingt eine Biometrie empfohlen.

Schlüsselwörter Keratitis scrophulosa peracta - Keratoplastik - Erkrankungsalter - Formdeprivationsmyopie - präoperative Biometrie

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S. 320-325 (Art. 435)

Externe Trabekelexzision (ETE) - Alternative zur filtrierenden Glaukomoperation bei Patienten mit Offenwinkelglaukom
Jörg Schmidt, Peter Kroll, Gabriele Beate Kuba

Zusammenfassung

Hintergrund Bei der filtrierenden Glaukomoperation (Trabekulektomie, Goniotrepanation etc.) finden sich als postoperative Komplikationen unter anderem häufiger Hypotonien mit schwierig zu beherrschenden Athalamien und Aderhautabhebungen. Aufgrund postinflammatorischer Reaktionen lassen sich auch zystische, nicht filtrierende Sickerkissen erklären, die den anfänglichen Erfolg rückgängig machen können. Ziel der vorliegenden Studie war es, die Erfolge bzw. Komplikationen der im folgenden dargestellten neuen Operationstechnik mit denen der herkömmlichen filtrierenden Glaukomoperation zu vergleichen.

Patienten und Methoden Bei 24 Patienten mit Offenwinkelglaukom und präoperativen Tensiowerten im Mittel von 28,12 mm Hg (±8,6) führten wir seit Juni 1997 an 25 Augen die externe Trabekelexzision durch. Präoperativer Visus und höchster introkularer Druck wurden in einer retrospektiven Studie bei allen Augen mit den Werten am 1. postoperativen Tag, bei 22 Augen nach 1 Monat und bei 17 Augen nach 3 Monaten verglichen.

Ergebnisse Der intraokulare Druck zeigte am 1. postoperativen Tag Werte zwischen 0 mm Hg und 16 mm Hg (7,6 mm Hg ±4,3), nach 1 Monat zwischen 10 mm Hg und 30 mm Hg (17,8 mm Hg±5,5) und nach 3 Monaten zwischen 9 mm Hg und 26 mm Hg (15,3 mm Hg±4,2). Dabei benötigten nach 1 Monat 10 von 22 Augen (45%) und nach 3 Monaten 7 von 17 Augen (41%) antiglaukomatöse Augentropfen; eine anschließende Goniotrepanation war bei 3 Augen (2 Wochen, 1 Monat, 3 Monate nach ETE) erforderlich. An postoperativen Komplikationen waren 6 Aderhautamotiones, einmal Sanguiszellen in der Vorderkammer, zwei Hyphämata, zweimal ein Vorderkammerreizzustand, zwei flache Vorderkammern und zweimal ein positiver Seidel zu beobachten.

Schlußfolgerung Die Komplikationsrate der ETE ist vergleichbar mit der der filtrierenden Glaukomoperation. Der postoperative Druckabfall nach ETE war meistens nicht in dem Maße ausgeprägt wie nach penetrierender Glaukomoperation, und die dadurch entstandenen Komplikationen waren voll reversibel. Jedoch benötigten 45% der Augen nach 1 Monat und 41% der Augen nach 3 Monaten erneut lokale Antiglaukomatosa. Eine prospektive Langzeitstudie muß die Erfolgs- bzw. die Komplikationsrate der ETE verifizieren.

Schlüsselwörter Externe Trabekelexzision - filtrierende Glaukomoperation - primäres chronisches Offenwinkelglaukom

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S. 326-330 (Art. 430)

Postoperatives Verhalten des Augeninnendruckes nach posteriorer Nd:YAG-Laser-Kapsulotomie - Kritische Beurteilung bei prophylaktischer Gabe des lokalen Carboanhydrase-II-Hemmers Dorzolamidhydrochlorid (Trusopt®)
Claudius Lachmann, Klaus-Michael Jörg, Reinhard Trinkmann

Zusammenfassung

Ziel Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, den Einfluß des lokalen Carboanhydrase-II-Hemmers Dorzolamidhydrochlorid (Trusopt®) auf das Verhalten des Augeninnendruckes nach posteriorer Nd:YAG-Laser-Kapsulotomie zu prüfen.

Patienten und Methoden Die Studie wurde als Doppel-Blind-Versuch durchgeführt. 120 Patienten wurden im Zeitraum vom 15.04.1997 bis 24. 01.1998 einer Nachstar-Diszision mit einem gepulsten Nd:YAG-Laser unterzogen. Eine Gruppe bekam das Medikament Dorzolamidhydrochlorid (Trusopt®), die andere diente als Kontrollgruppe (Placebo) und blieb ohne medikamentöse Therapie. Zur Berechnung der sich aus der Studie ergebenen Augeninnendruck-Differenzen wurden die Tensio-Messungen vor Nd:YAG-Laser-Kapsulotomie und der 4 h-Wert post-Op herangezogen. Zur statistischen Auswertung wurde der t-Test für unverbundene Stichproben angewendet.

Resultat Der lokale Carboanhydrase-II-Hemmer Dorzolamidhydrochlorid (Trusopt®) zeigt bei prophylaktischer Gabe nach Nd:YAG-Laser-Kapsulotomie eine hochsignifikante Senkung des Augeninnendruckes (p=2,854*10-20). Es ließ sich hierbei in der Gruppe der gelaserten Patienten unter Medikation von Dorzolamidhydrochlorid (Trusopt®) eine mittlere Augeninnendruck-Senkung um 1,09 mm Hg (8,10%) unter den Ausgangswert von präoperativ 13,45±2,97 mm Hg auf postoperativ 12,36±3,79 mm Hg nachweisen.

Schlußfolgerung Es hat sich in dieser Studie gezeigt, daß Dorzolamidhydrochlorid (Trusopt®) bei einmaliger Gabe nach Nd:YAG-Laser-Kapsulotomie den Augeninnendruck signifikant senkt; Dorzolamidhydrochlorid (Trusopt®) als prophylaktische Gabe nach Nd:YAG-Laser-Kapsulotomie hat sich als sinnvolle Maßnahme erwiesen, den Augeninnendruck sicher zu senken, und bietet so effektiven Schutz transitorischen Augeninnendruck-Anstiegen entgegenzuwirken.

Schlüsselwörter Glaukom - intraokularer Druck - Nd:YAG-Laser-Kapsulotomie - Dorzolamid

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S. 331-340 (Art. 444)

Diffuse maligne Melanome der Uvea
Eine klinisch-histopathologische Studie über 39 Patienten

Ulrike C Braun, Volker C Rummelt, Gottfried OH Naumann

Zusammenfassung

Hintergrund Die Lebenserwartung von Patienten mit fokalen, strikt auf die Iris begrenzten malignen Malignome ist sehr gut. Dies gilt nicht für solche, die in den Ziliarkörper einbrechen oder diffus wachsen. Wir untersuchten die prognostischen Parameter diffus wachsender maligner Melanome der vorderen Uvea.

Patienten und Methoden Zwischen 1981 und 1995 wurden Serienschnitte von 39 Augen, 23 Frauen und 16 Männer, mit diffusem malignen Melanoms der vorderen Uvea im ophthalmo-pathologischen Labor der Erlangener Universtitäts-Augenklinik untersucht. Das Alter der Patienten bei der Enukleation lag zwischen 9 und 80 Jahren (Median 56 Jahre), der Nachbeobachtungszeitraum zwischen 2 Monaten und 15 Jahren. Am Ende des Nachbeobachtungszeitraumes waren 13 von 39 Patienten an Metastasen eines diffusen malignen Melanoms der vorderen Uvea verstorben, die alle mehr als die Iris beteiligten. Weitere 4 Patienten starben an anderen.

Ergebnisse Es wurden 10 diffuse reine Irismelanome, 18 diffuse Iris-Ziliarkörpermelanome und 11 diffuse Iris-Ziliarkörper-Aderhautmelanome unterschieden, 14 Tumoren als spindelzellig, 23 als gemischtzellig und 2 als epitheloidzellig eingestuft. Die Mitoserate lag zwischen 0 und 4 Mitosen in vierzig Ausschnitten bei 400facher Vergrößerung. Nur 4 der diffusen malignen Melanome besaßen mehr als 100 tumorinfiltierende Lymphozyten pro zwanzig Auschnitte. Neun Tumoren breiteten sich extraskleral aus. Bei 9 weiteren wurden Gefäßnetzwerke gefunden. In den univariaten Kaplan-Meier-Überlebensanalysen waren folgende prognostische Faktoren von statistisch signifikant besserer Prognose: die Lokalisation in der Iris (pp0,0008), der Spindelzelltyp (pp0,0002), das Fehlen von Gefäßnetzwerken (pp0,01). In der multivariaten Cox-Anlayse stellten sich als wichtigste prognostisch günstige Faktoren die Lokalisation in der Iris mit einer 100%igen Überlebensrate und der Spindelzelltyp (pp0,01) heraus.

Schlußfolgerung Patienten mit diffusem malignen Melanom der Iris allein haben eine gute Prognose quoad vitam. Die diffuse Tumorzellaussaat kann mittels Biozytologie mit 40facher Vergrößerung an der Spaltlampe diagnostiziert werden. Wird eine Ziliarkörperbeteiligung ausgeschlossen, ist zunächst eine klinische Verlaufskontrolle vertretbar. Erst bei nicht mehr medikamentös regulierbarem Augeninnendruck bei Sekundärglaukom sollte das Auge enukleiert werden. Ein drucksenkender filtrierender Eingriff ist wegen der Gefahr der extraokulären Verschleppung von malignen Zellen kontraindiziert.

Schlüsselwörter malignes Melanom - vordere Uvea - diffuse Tumorzellausbreitung - Gefäßparameter - Gefäßnetzwerke - Irismelanom - Irisziliarkörpermelanom - Ziliarkörpermelanom - extrasklerale Ausbreitung - maligne Melanozyten

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S. 341-346 (Art. 432)

Pulsgipfelblutvolumen und topische Antiglaukomatosa bei Rhesusaffen mit experimentellem Offenwinkelglaukom
Karl-Georg Schmidt, Andrea v. Rückmann, Dieter Eisenmann, Daniel Y Stegman, Thomas W Mittag

Zusammenfassung

Hintergrund Ziel der vorliegenden Studie war es, den Einfluß topischer Antiglaukomatosa auf das Pulsgipfelblutvolumen, das Volumen, das mit einem Herzschlag in das Auge gelangt bei Rhesusaffen ohne (nativ) sowie mit laserchirurgisch induziertem Offenwinkelglaukom zu untersuchen.

Methoden Bei den Rhesusaffen mit laserchirurgisch induziertem Offenwinkelglaukom wurden 2-3 Laserbehandlungen durchgeführt, bis sich an den behandelten Augen ein experimentell induziertes Glaukom entwickelte. Der intraokuläre Druck und die okuläre Pulsamplitude wurden in Abständen von 7-10 Tagen bis zur Stabilisierung des Glaukommodells gemessen und das Pulsgipfelblutvolumen bestimmt. Im Anschluß wurde die Auswirkung der Antiglaukomatosa auf den intraokulären Druck, die okuläre Pulsamplitude und das Pulsgipfelblutvolumen untersucht.

Ergebnisse Bei den nativen Rhesusaffen waren nach Gabe der untersuchten Antiglaukomatosa weder der intraokuläre Druck noch das Pulsgipfelblutvolumen signifikant verändert. Bei den Rhesusaffen mit laserchirurgisch induziertem Offenwinkelglaukom senkten Adrenalin und Paraaminoclonidin mäßig den intraokulären Druck, veränderten aber nicht das Pulsgipfelblutvolumen, während die Gabe von Pilokarpin und Timolol über die signifikante (p < 0,01) Reduktion des intraokulären Druckes hinaus das Pulsgipfelblutvolumen signifikant (p < 0,05) steigerten.

Schlußfolgerung In Bezug auf die Steigerung des Pulsgipfelblutvolumens bei den Rhesusaffen mit laserchirurgisch induziertem Offenwinkelglaukom ergab sich für die untersuchten Antiglaukomatosa folgende Reihenfolge: Timolol > Pilokarpin > Paraaminoclonidin > Adrenalin.

Schlüsselwörter Experimentelle Offenwinkelglaukome - intraokuläres Gefäßsystem - okuläre Pulsamplitude - Pulsgipfelblutvolumen - Antiglaukomatosa

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S. 347-350 (Art. 390)

Pulsgipfelblutvolumen bei gezielter Beeinflussung lokaler Perfusionsparameter
Karl-Georg Schmidt, Andrea v. Rückmann, Volker Klingmüller, Lutz E Pillunat, Thomas W Mittag

Zusammenfassung

Hintergrund Die Frage einer Autoregulation in der Aderhaut wird nicht einheitlich beurteilt. Ziel der vorliegenden Studie war es, lokale Perfusionparameter standardisiert zu verändern um deren Auswirkungen auf die Hämodynamik der Aderhaut am Rhesusaffen mit laserchirurgisch induzierten Offenwinkelglaukom (RA-LHDG) zu untersuchen.

Methoden Bei den RA-LHDG wurde einseitig ein experimentelles Glaukom induziert. Der intraokuläre Druck (IOD) und die okuläre Pulsamplitude (OPA) wurden gemessen und das Pulsgipfelblutvolumen (PGBV) bestimmt.

Ergebnisse Bei den RA-LHDG wies das PGBV in den glaukom-induzierten Augen - bei signifikanter (sig., p < 0,05) IOD-Differenz - keine Änderung (p > 0,05) auf. Die unbehandelten Kontrollaugen in der Gruppe mit einem IOD-Anstieg von > 5 mm Hg zeigten einen sig. (p < 0,05) Anstieg des PGBV.

Schlußfolgerung Das konstante PGBV in den glaukom-induzierten Augen und der Anstieg des PGBV in den Kontrollaugen lassen auf einen bilateralen autoregulatorischen Kompensationsmechanismus schliessen, der sich in den Augen mit dem IOD im Normbereich deutlicher manifestiert.

Schlüsselwörter Experimentelle Offenwinkelglaukome - Aderhaut - okuläre Pulsamplitude - Pulsgipfelblutvolumen - Autoregulation

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S. 351-354 (Art. 425)

Pars-plana-Vitrektomie bei Borrelia burgdorferi-Endophthalmitis
Petra Meier, Rosemarie Blatz, Martina Gau, F.-Bernhard Spencker, Peter Wiedemann

Zusammenfassung

Hintergrund Okuläre Manifestationen einer Lyme-Borreliose sind relativ selten. Mögliche klinische Erscheinungsbilder sind eine Konjunktivitis, Keratitis, entzündliche Optikusprozesse, Uveitis, Vitritis; selten tritt eine Endophthalmitis auf.

Kasuistik Ein 57jähriger Waldarbeiter aus Sachsen-Anhalt wurde uns mit einer Borrelia burgdorferi verursachten Endophthalmitis des linken Auges überwiesen. Der Visus des linken Auges betrug Handbewegungen bei intakter Lichtprojektion. Die spaltlampenmikroskopische Untersuchung zeigte eine schwere Entzündung der Vorderkammer mit Hypopyon, hinteren Synechien und Hinterschalentrübungen der Linse. Ophthalmoskopisch waren keine retinalen Details erkennbar, es bestand kein Rotlicht. Die im auswärtigen Krankenhaus durchgeführte Serumanalyse hatte im Western-Blot IgM- und IgG-Antikörper gegen Borrelia burgdorferi Antikörper gezeigt. Trotz intravenöser Antibiotikatherapie mit Ceftriaxon für 14 Tage persistierte eine Panuveitis, die sich nach Absetzen des Antibiotikums zur Endophthalmitis entwickelte.

Ergebnisse Wir führten eine Pars-plana-Vitrektomie durch, dabei zeigte sich nach Entfernung von Glaskörpertrübungen eine scharf begrenzte gelbliche zystische Läsion, deren gelblich-cremiger Inhalt aspiriert wurde. Mikroskopisch konnten im Aspirat nach Hämatoxylin-Eosin-Färbung Elemente erkannt werden, deren Morphologie Borrelia burgdorferi entspricht. Der Visus stieg postoperativ auf 1/15 an. Trotz nochmals durchgeführter 14tägiger Ceftriaxon-Therapie wurde im Nachbeobachtungszeitraum von 6 Monaten eine persistierende retinale Vaskulitis beobachtet.

Schlußfolgerungen Es muß davon ausgegangen werden, daß Borrelia burdorferi trotz intravenöser Ceftriaxon-Therapie im Glaskörperraum überlebte. Weitere Untersuchungen zum Einsatz alternativer Antibiotika in der Therapie der okulären Borreliose sind erforderlich.

Schlüsselwörter Borrelia burgdorferi - Endophthalmitis - Pars-plana-Vitrektomie - Vaskulitis

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S. 355-357 (Art. 434)

Optikusneuropathie nach Ringelröteln-Infektion
Helmut Wilhelm, Christiane Hartmann, Vera Boesche-Abele

Zusammenfassung

Hintergrund Optikusneuropathien sind nicht immer eindeutig als ischämisch oder entzündlich zu klassifizieren.

Fallbericht Eine 39jährige Frau erlitt eine einseitige Optikusneuropathie, 9 Tage nachdem sie an einer Exanthem-Erkrankung mit Gelenkschwellungen erkrankt war. Papillenbefund und Gesichtsfeldausfall ähnelten dem bei einer anterioren ischämischen Optikusneuropathie, aber eine Steroidbehandlung führte zu deutlicher Befundbesserung. Die Allgemeinerkrankung stellte sich als Erythema infectiosum (Ringelröteln) heraus.

Schlußfolgerungen Ringelröteln führt als häufige Kinderkrankheit nur sehr selten zu zentralnervösen Komplikationen, Sehnervenbeteiligungen waren bislang nicht beschrieben. Bei atypischen Optikusneuropathien ist die Suche nach einer zugrundeliegenden systemischen Erkrankung sinnvoll.

Schlüsselwörter Optikusneuropathie - Steroidtherapie - Erythema infectiosum

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S. 358-361 (Art. 437)

Uveitis-Masquerade-Syndrom bei M. Gaucher
Kausale Behandlung durch Alglucerase-Substitutionstherapie

Katharina Dann, Christoph Althaus, Andreas Kersten, Stephan vom Dahl, Rainer Sundmacher

Zusammenfassung

Hintergrund Die Gaucher-Erkrankung ist eine autosomal-rezessiv vererbte Sphingolipidose mit Defekt des lysosomalen Enzyms b-Glucocerebrosidase, welches Glucocerebrosid zu Ceramid und Glucose hydrolysiert. Folglich kommt es zur Akkumulation von Glucocerebrosid in den reticuloendothelialen Zellen von Milz, Leber und Knochenmark mit Entstehung von Gaucher-Zellen.

Patient Im Mai 1997 stellte sich eine 42jährige Patientin mit unklarer linksseitiger intermediärer Uveitis und seit September 1996 zunehmendem Visusabfall bis auf Handbewegung bei intakter Lichtscheinwahrnehmung vor. Zum Ausschluß einer zugrundeliegenden systemischen Erkrankung wurde eine internistische Untersuchung veranlaßt, welche bei fehlender Allgemeinsymptomatik eine Hepatosplenomegalie mit Anämie und Thrombozytopenie sowie Knochenveränderungen aufdeckte. Eine Knochenmarkspunktion unter der klinischen Verdachtsdiagnose eines M. Gaucher (Typ I) sicherte die Diagnose dieser Erkrankung. Nach Alglucerase-Therapie zeigte sich nach fünfmonatiger Behandlungsdauer ein nahezu vollständiger Rückgang der Glaskörperinfiltration und ein Visusanstieg auf 0,7.

Schlußfolgerung Die dramatische Befundverbesserung unter Alglucerase-Therapie und das fehlende Ansprechen auf Steroide legt den Zusammenhang zwischen der intermediären Uveitis mit massiver Vitritis und dem M. Gaucher nahe. Dies ist unseres Wissens der erste Fall, bei dem ein M. Gaucher durch ein Masquerade-Syndrom im Sinne einer intermediären Uveitis erstmals klinisch auffällig wurde und durch Alglucerase erfolgreich kausal behandelt werden konnte.

Schlüsselwörter Intermediäre Uveitis - M. Gaucher - Alglucerase-Therapie

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S. 362-366 (Art. 433)

Juvenile Neuronale Ceroid-Lipofuszinose (M. Spielmeyer-Vogt)
Birte Neppert, Bianka Kemper

Zusammenfassung

Hintergrund Die Neuronalen Ceroid-Lipofuszinosen (NCL) gehören zu den progredienten neurodegenerativen Erkrankungen des Kindesalters, bei denen sich ophthalmologische und neurologische Symptome gemeinsam manifestieren können. Zerebrale und retinale Zellen unterliegen einer fortschreitenden Degeneration, die in der Netzhaut zentral beginnt. Bei der in Deutschland häufigsten Form, der juvenilen NCL, trägt die augenärztliche Untersuchung entscheidend zur Frühdiagnose bei.

Patient und Methoden Ein 5jähriger Junge wies im Vorschulalter beidseitige Visusminderungen, Farbsinnstörungen und Gesichtsfeldverfall auf. Seine klinischen Befunde, Differentialdiagnosen und Diagnostik mittels elektrophysiologischer, neuropädiatrischer und zytologischer Methoden werden dargestellt.

Ergebnisse Der geschilderte Patient ist ganz typisch für die juvenile Neuronale Ceroid-Lipofuszinose, die mit einer relativ rasch fortschreitenden Visusminderung mit Schießscheibenmakulopathie im Vorschul- bis Schulalter beginnt. Sein Elektroretinogramm war ausgelöscht und sein EEG pathologisch. Die Elektronenmikroskopie von Lymphozyten mit Lipopigmenten in Lysosomen konnte hier die Diagnose sichern. In nur wenigen weiteren Jahren sind zusätzlich Epilepsie und fortschreitende Demenz zu erwarten.

Schlußfolgerung Die Kenntnis dieser seltenen Erkrankung ist für den Augenarzt wichtig, um trotz fehlender Kausaltherapie den betroffenen Familien Hilfen für das soziale Umfeld des jungen Patienten, prognostische und eventuell humangenetische Beratungen anbieten zu können. Eine pränatale Diagnostik ist oft möglich.

Schlüsselwörter Schießscheibenmakulopathie - Ceroid-Lipofuszinose - Elektroretinogramm - Visuell evozierte Potentiale - Elektronenmikroskopie von Lymphozyten - Speicherkrankheit - Gendefekt - genetische Beratung

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S. 367-369 (Art. 421 DF)

Chirurgische Wurmentfernung bei Loa-Loa-Ophthalmie
Helmut G Sachs, Markus Heep, Veit-Peter Gabel

Zusammenfassung

Hintergrund Die Filariose Loaiasis ist eine chronisch parasitäre Erkrankung, die endemisch in den tropischen Regenwäldern Afrikas zwischen 40° nördlicher und 30° südlicher Breite vorkommt. Die Übertragung erfolgt durch blutsaugende Mangrovenfliegen der Gattung Chrysops (2). Da es sich um eine systemische Infektion handelt, können neben dem subkonjunktivalen Wurm (Abb. 1) eine Hautbeteiligung oder Mikrofilarien im Blut vorkommen.

Patient Ein westafrikanischer Tourist aus Bangibe suchte wegen eines geröteten Auges die Ambulanz der Universitäts-Augenklinik auf. Es fiel temporal eine subkonjunktivale fadenartig geschlängelte Raumforderung auf, die stark beweglich war und wurmartige Bewegungen ausführte. Die Raumforderung, die nahe an den Limbus heranreichte, schien transparent zu sein und hatte eine Länge von ca. 4-5 cm. Die Entfernung des Wurms sollte im OP erfolgen. Nach Gabe von Ophtocain-Augentropfen und Versuch der Lähmung des Wurmes mit Pilocarpin 2% (1) war der Wurm verschwunden. Bei der Wiedervorstellung des Patienten 2 Tage später war morgens kein Wurm unter der Bindehaut auszumachen, jedoch konnte zum Zeitpunkt der geplanten mittäglichen Blutabnahme jetzt im nasalen Anteil ein Wurm ausgemacht werden. Ohne große Verzögerungen wurde der Wurm nach Gabe von Ophtocain-Augentropfen durch die Bindehaut hindurch von einem Assistenten gefaßt und nach geringem Eröffnen der Bindehaut mit einer Fadenpinzette unter der Bindehaut gefaßt und unter stark schlängelnden Bewegungen hervorgezogen. Eine systemische Behandlung mit Hetrazan (Diethylcarbamazine) wurde empfohlen. Das zur Mittagszeit entnommene Blut wies eine Mikrofilarienbelastung (Abb. 2) auf. Die Eosinophilie betrug vor Therapieeinleitung 8%.

Schlußfolgerungen Der stark bewegliche subkonjunktivale Wurm kann nach Festhalten mit einer Pinzette relativ einfach entfernt werden. Eine Lähmung der Beweglichkeit mit Pilocarpin wie von anderen Autoren vorgeschlagen (1), ist unserer Meinung nach nicht durchführbar. Für die systemische Therapie steht Hetrazan zur Verfügung, das in Deutschland nur über internationale Apotheken erhältlich ist.

Schlüsselwörter Loa Loa - Filiarose - Loiasis

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